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02.06.2009
Leben wir emotional noch im Urwald...
Jeder von uns hat Emotionen und Gefühle, aber was sind das eigentlich für Zeichen? Sie kennen bestimmt die Wut, den Ärger usw, jedes Mal fühlen wir es woanders. Und jedesmal macht es etwas anderes in unserem Körper. Aber .. was passiert da eigentlich?
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir immer fühlen wenn wir denken. Unser Körper schüttet dann Hormone und Botenstoffe aus. Was früher ja auch mal Sinn gemacht hat. Das kleine Problem an der Sache ist nur, dass unser Emotionalgehirn immer noch denkt, dass wir im Urwald leben und es daher manchmal nicht unterscheiden kann, ob wir gerade dem Chef oder einem Säbelzahntiger gegenüberstehen, bereit davon zu rennen. Ausgeschüttet werden in diesem Moment die gleichen Hormone! Adrenalinspiegel, Cortisonspiegel usw steigen an - als wären Sie auf der Flucht. Egal ob es der Chef ist, eine anstehende Prüfung, das Halten eines Vortrags oder ein unangenehmes Gespräch - jeder kennt es. Zuerst geht der Puls hoch und die Atmung wird schneller, Sie bekommen schwitzige Hände usw. Fühlen Sie es?Am Liebsten würden Sie doch nur noch davonrennen. Der Fluchtinstikt kommt komplett durch und da wir in manchen Situationen dann doch nicht davonrennen können, stellt sich unser Gehirn einfach tot. Frei nach dem Motto "Wenn ich schon nicht flüchten kann, dann stell ich mich tot". Das nennen wir in unserer heutigen Zeit einen Blackout und den hatte bestimmt auch schon jeder von uns. Aber was sind eigentlich unsere Urinstinkte und unsere Grundmotivation?
Eines der wichtigsten Urinstinkte sind das Überleben, d.h. Essen & Trinken, einen sicheren Platz zum Schlafen und dass wir in ein Rudel reinpassen. Sie lachen jetzt und denken sich so ein Schwachsinn, natürlich denk mein Gehirn darüber nicht mehr nach. Sind Sie sich da aber so sicher? Hatten Sie schon einmal das Gefühl der Einsamkeit? Waren Sie schon mal alleine und fanden das gar nicht gut? BINGO! Da springt sofort Ihr Emotionalgehirn an und sagt Ihnen über das Gefühl der Einsamkeit, dass Sie kein Rudel haben.
Wir suchen immer Menschen, die zu uns passen und die uns zeigen, dass wir zu ihnen passen. Das kleine Problem entsteht eigentlich erst, wenn wir uns von einem geliebten Menschen trennen. Dann fällt dieser Mensch aus unserem Rudel und sofort fühlen wir uns einsam. Entstanden ist Liebeskummer und die anschließende Trauer darüber, was ja auch in Ordnung ist. Durch die Trauer sagt Ihnen Ihr Gehirn sofort, dass Sie loslassen sollen. So entsteht ein Selbsterhaltungstrieb, denn im Urwald können Sie mit der Trauer nicht überleben. Sie werden sich sofort nach einem neuen Mitglied für Ihr Rudel umsehen.
Aber jetzt mal ehrlich: Leben wir denn noch im Urwald? Nein, und das sollten Sie Ihrem Gehirn auch immer wieder sagen wenn negative Gefühle aufkommen. Hinterfragen Sie doch einmal Ihre Gefühle. Liebeskummer ist ein super Beispiel.
Ein Mensch, der Ihnen sehr wichtig war, hat sich auf einmal entschieden, das Leben nicht mehr mit Ihnen zu teilen. Wie fühlt sich das an? Mal ganz ehrlich gesagt einfach nur "Schei..."! Jeder von uns hatte schon einmal dieses Gefühl, oder? Aber jetzt versuchen Sie mal das Missverständnis in Ihrem Gehirn aufzuklären, indem Sie sich selber Fragen stellen.
Waren Sie schon einmal zuvor verliebt? - Bestimmt oder ..
Haben Sie da den Liebeskummer überlebt? - Bestimmt sonst würden Sie das hier nicht lesen ..
Gibt es in Ihrem Umfeld Menschen, die Sie mögen, Ihre Eltern, Freunde, Arbeitskollegen ..?
Auf der Welt gibt es knapp 7 Milliarden Menschen. Glauben Sie, dass Sie noch neue Menschen dazu kennen lernen werden, vielleicht auch einen neuen potentiellen Partner? Hallo, nicht Ihr Gefühl soll antworten, sondern Ihr Verstand. Also noch einmal: Glauben Sie, dass Sie noch einmal einen neuen Partner finden werden?? Ja, also bei 7 Milliarden Menschen steht die Chance doch ganz gut, oder?
Ist Ihre Existenz bedroht, weil der Mensch nicht mehr in Ihrem Leben ist? - Nein ..
Ist Ihre Sicherheit bedroht, weil der Mensch nicht mehr in Ihrem Leben ist? - Nein..
Glauben Sie, dass Sie irgendwann mal wieder glücklich sein können, obwohl dieser Mensch nicht mehr in Ihrem Leben ist?
Dass Sie trotzdem wieder mal Lachen können? - Ja..
Egal was Sie für Probleme haben, Ihr Gehirn denkt leider wirklich immer noch, dass Sie im Urwald leben und sendet Ihnen somit die typischen Gefühle. Als erstes Vermeidungsmodus (Nein, das will ich nicht usw..). Wenn das nicht mehr reicht, gehen Sie automatisch in den Kampmodus (obwohl das von der Persönlichkeit abhängt), manche gehen sofort in den Fluchtmodus.
Was ein Kampmodus ist? Haben Sie sich noch nie gedanklich mit Ihren Arbeitskollegen oder Ihrem Partner gezofft? Doch, bestimmt. Können Sie diese Gefühle noch nachempfinden wie Sie sich geärgert haben?
Einen Fluchtmodus kennen Sie bestimmt auch, zum Beispiel vor einer mündlichen Prüfung. Am Besten nur noch weg. Und wenn das nicht hilft, kommt wie oben genannt der typische Blackout - der Totstellmodus.
Wenn Sie mal wieder merken, dass Ihr Urwaldgehirn anspringt, fragen Sie sich doch mal immer wieder die gleichen Fragen:
- Ist Ihre Existenz davon bedroht? (Auch wenn Sie Ihren Job verlieren, in unserer Gesellschaft werden Sie kaum erfrieren oder verhungern.)
- Ist Ihre Sicherheit davon bedroht?
- Haben Sie trotzdem genug zum Essen und zum Trinken?
- Werden Ihr "Rudel", also Familie, Freunde usw., Sie trotzdem mögen? (Auch wenn Sie durch die Prüfung fallen?)
- Werden Sie neue Menschen kennen lernen, die Sie trotzdem mögen?
- Werden Sie irgendwann wieder lachen? (Auch wenn Ihr Liebster weg ist?)
- Wurden Sie zu dieser Situation gezwungen? (Also mit körperlicher Gewalt usw. In der Regel schlägt der Chef seine Angestellt nicht, oder?)
Hinterfragen Sie sich einfach mal immer wieder selber, wenn negative Gefühle auftauchen. Was für ein Motiv steht dahinter? Sie werden erstaunt sein, wie oft Sie wieder im Urwald landen.
Viel Spaß im Urwald.
Karin Gaigl
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